Sternstunde Philosophie

Sternstunde Philosophie

Vertiefende Gespräche mit herausragenden Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft und Politik. Die Sternstunde Philosophie vermittelt lebensnahe Denkanstösse zu zentralen Fragen unserer Zeit.
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Episode's summary

In diesem Gespräch mit dem Soziologen Hartmut Rosa diskutiert die Moderatorin Olivia Röllin das Spannungsfeld zwischen dem 'Vollziehen' von Regeln und dem echten 'Handeln'. Rosa erläutert, dass sich der Mensch lebendig fühlt, wenn er auf Situationen individuell reagieren kann, während automatisierte Abläufe und bürokratische Vorgaben zu Entfremdung führen können. Der Austausch beleuchtet zudem die Gefahr, dass durch zunehmende Reglementierung und technologische Überwachung die emotionale Verbindung zum Handeln verloren geht. Rosa plädiert für mehr Eigenverantwortung und Spielräume in Berufen wie der Pflege oder Lehre, um die Komplexität des Lebens nicht durch starre Protokolle und Optimierungsdruck zu ersticken.

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Highlights

Unser Leben ist immer mehr reglementiert, auch formalisiert und sogar automatisiert, auch und gerade im Alltag, sodass wir dabei sind, das Leben nicht mehr wirklich zu leben, sondern eher zu vollziehen.

00:00:12 · Hartmut Rosa beschreibt die zentrale These seines Beitrags über den Verlust von Lebendigkeit durch zunehmende Automatisierung des Alltags.

Das löst ein nicht sehr produktives Selbstverhältnis für die Pflegenden selber aus. [...] Da entsteht auch eine Unzufriedenheit bis zu Burnout, weil man eigentlich mit dem, was man tut, sich nicht mehr wirklich identifizieren kann.

00:14:39 · Der Sprecher erklärt die psychologischen Folgen von rein protokollbasiertem Arbeiten in helfenden Berufen.

Ich habe mal die These vertreten, dass wer nie über rote Ampeln geht, auch eine faschistische Regierung nicht verhindert wird.

00:25:38 · Der Sprecher nutzt ein extremes Beispiel, um die Bedeutung von individueller Urteilskraft gegenüber blindem Regelbefolgen zu unterstreichen.

Lust for life and trust in life. Freude am Leben und Grundvertrauen ins Leben.

00:36:29 · Dies ist die zentrale These des Sprechers über das, was durch den Verlust von Handlungsspielräumen verloren geht.

Warum nicht? Weil das Leben immer komplexer ist als das, was ich reglementieren kann.

00:54:49 · Der Sprecher erklärt die Ursache dafür, dass Versprechen zum Bürokratieabbau seit Jahrzehnten scheitern.

Episodes

265-

Funktionierst Du noch, oder lebst Du schon?

In diesem Gespräch mit dem Soziologen Hartmut Rosa diskutiert die Moderatorin Olivia Röllin das Spannungsfeld zwischen dem 'Vollziehen' von Regeln und dem echten 'Handeln'. Rosa erläutert, dass sich der Mensch lebendig fühlt, wenn er auf Situationen individuell reagieren kann, während automatisierte Abläufe und bürokratische Vorgaben zu Entfremdung führen können. Der Austausch beleuchtet zudem die Gefahr, dass durch zunehmende Reglementierung und technologische Überwachung die emotionale Verbindung zum Handeln verloren geht. Rosa plädiert für mehr Eigenverantwortung und Spielräume in Berufen wie der Pflege oder Lehre, um die Komplexität des Lebens nicht durch starre Protokolle und Optimierungsdruck zu ersticken.

05 Sep 2026
263-

Wie Tiere den Tod verstehen – und was das über uns verrät

In diesem Podcast diskutiert die Philosophin Susanna Monso über das Verständnis von Tod und Sterblichkeit in der Tierwelt. Dabei wird zwischen instinktiven Reaktionen, wie bei Ameisen, und komplexeren kognitiven Verhaltensweisen bei Elefanten, Orcas oder Primaten unterschieden. Die Episode erörtert zudem die Unterscheidung zwischen Trauer und dem Bewusstsein für die eigene Endlichkeit sowie das Konzept eines minimalen Todesverständnisses. Abschließend wird die philosophische Bedeutung der Akzeptanz unserer eigenen Tierhaftigkeit und des Sterbens als universellem Teil des Lebenszyklus thematisiert.

29 Aug 2026
262-

Dicke Körper, dünne Moral: Kate Manne über Fettfeindlichkeit

In diesem Interview diskutiert die Philosophin Kate Mann über Fettfeindlichkeit als eine Form der Diskriminierung, die eng mit Misogynie, Rassismus und Klassismus verknüpft ist. Sie thematisiert die medizinische Vernachlässigung übergewichtiger Menschen sowie den gesellschaftlichen Druck zur Gewichtsreduktion trotz wissenschaftlicher Belege für die Unwirksamkeit von Diäten. Die Diskussion beleuchtet zudem die Rolle der Pharmaindustrie bei der Pathologisierung von Körpermerkmalen und die ökonomischen Interessen der Schönheitsindustrie. Abschließend wird das Konzept der 'Body Reflexivity' als Alternative zu herkömmlichen Ansätzen vorgestellt sowie die Notwendigkeit von Antidiskriminierungsgesetzen erörtert.

22 Aug 2026
261-

Was ist psychisch krank? Über Normalität und Wahnsinn

Leon Engler und Michael Hagner diskutieren die zunehmende Komplexität psychiatrischer Diagnosesysteme wie dem DSM und die damit verbundene Gefahr der Pathologisierung alltäglicher menschlicher Zustände. Das Gespräch beleuchtet die historische Entwicklung der Psychiatrie von grausamen Zwangsmethoden bis hin zur modernen Psychopharmakologie sowie die philosophischen Perspektiven von Foucault und Erich Fromm auf Machtstrukturen und soziale Ungleichheit. Darüber hinaus werden gesellschaftskritische Aspekte wie die Antipsychiatrie-Bewegung, die intergenerationale Weitergabe von Traumata durch Epigenetik und die Bedeutung narrativer Prozesse thematisiert. Die Episode untersucht das Zusammenspiel von genetischer Vulnerabilität und sozialen Umwelteinflüssen sowie die Rolle der Erzählung bei der Bewältigung psychischer Erfahrungen.

15 Aug 2026
260-

Geburtenrückgang – Gibt es bald zu wenige Menschen?

In diesem Gespräch mit dem Demografen Paul Morland wird der globale Paradigmenwechsel von einer drohenden Überbevölkerung hin zu einem massiven Bevölkerungsrückgang thematisiert. Er erläutert die Risiken einer alternden Gesellschaft und diskutiert das sogenannte 'demografische Trilemma', wonach eine Gesellschaft nicht gleichzeitig ethnische Kontinuität, wirtschaftliches Wachstum und individuelle Freiheit bei niedrigen Geburtenraten aufrechterhalten kann. Die Diskussion beleuchtet zudem die komplexen Ursachen sinkender Geburtenraten sowie die Notwendigkeit politischer und kultureller Maßnahmen zur Förderung der Familienplanung. Dabei wird vor einem möglichen wirtschaftlichen und sozialen 'Armageddon' gewarnt, das durch eine schrumpfende Erwerbsbevölkerung und steigende Staatsverschuldung ausgelöst werden könnte.

08 Aug 2026